Die Posse um Sammer

23. Januar 2011 § Ein Kommentar

Beim Hamburger Sportverein geht meist alles schief, was schief gehen kann.
Manches später, anderes viel früher.

Auch wenn die Saison noch nicht zuende ist, den Titel der Lachnummer des Jahres konnten wir uns bereits frühzeitig sichern. Über ungelegte Eier zu reden, ist heutzutage kein Tabu mehr, sondern Tagesgeschäft.
So gab sich der neu zusammengewürfelte Aufsichtsrat des HSV ziemlich breitbrüstig, als es unter der Woche darum ging, die Kontakte zu Sammer zu bestätigen und den frisch getroffenen einstimmigen Beschluss zu verkünden. Man gab sich überaus optimistisch, sah im Prinzip nur noch wenig Hürden und trug das auch dementsprechend in die Öffentlichkeit. Auch Sammer bestätigte gegenüber den Medien seinen Kontakt zum HSV.

Die heute als erdrückend verurteilten Äußerungen klangen für mich aber zu keiner Zeit erdrückend. Wo ist das Problem, wenn die zwei Höchsten des Aufsichtsrat den Kandidaten Sammer loben, sich optimistisch geben und für den Fall, dass der DFB mitspielt, ein Angebot unterbreiten wollen? Das Verantwortliche des HSV ein überdurchschnittliches Mitteilungsbedürfnis gegenüber den Medien haben, ist im Prinzip weder verwunderlich, noch neuartig. Problematisch wird das Ganze nur, wenn der übermittelte Inhalt kompromittierend ist. Das können wir in diesem Fall ziemlich klar ausschließen. Denn wer seit Wochen intensiv verhandelt, kann durchaus einen Punkt erreichen, an dem man eine Einigung nur noch als Sache von Tagen erachtet.. Auch hier gibt es zwei Beteiligte. Einmal die Seite des HSV, welche Sammer als große Chance begreift und mit Sammer die andere Seite, welche mit euphorischem und akribischen Auftreten damit rechnen muss, dass ihre Bewerbung und ihr Einsatzwillen durchaus Konsequenzen haben kann.

Sammer selbst räumte übrigens ein, seit Juli mehr oder weniger losen Kontakt zum HSV gehabt zu haben. Aus lose muss dann irgendwann eng geworden sein, zuletzt hatte er sogar mehreren Mitgliedern des Aufsichtsrat eine mehrstündige Vorstellung geboten, in der er sein für den HSV ausgearbeites Konzept vorstellte. Hier gelangen wir an den Punkt, wo ich Herrn Sammer Lächerlichkeit ankreiden muss. Wer sich trotz eines bestehenden Arbeitsverhältnis mit dem DFB ernsthaft mit der Causa HSV beschäftigt, muss zumindest den Reiz nach Veränderung verspüren. Wer dann sogar schon ein üppiges Gehalt von über 2 Millionen aushandelt, seine Kumpanen (Stevic etc.) mitinstallieren will und bis zuletzt an Formulierungen im Vertrag schleifen lässt, wird sich durchaus eingehend mit diesem Thema auseinandergesetzt haben. Jetzt behauptet Sammer via Interviews, die Äußerungen des Aufsichtsrat in den Medien hätten einen zu großen Druck ausgeübt.

Bei allem gebührenden Respekt, das ist nur noch lächerlich.
Sammer hing über Wochen in intensiven Verhandlungen, ohne sich klar dazu bekannt zu haben, beziehungsweise den DFB informiert zu haben. Selbstverständlich braucht eine derart weitreichende Entscheidung auch den Rückhalt der Familie. Wenn man so energisch verhandelt, kann die andere Seite aber erwarten, dass der Verhandlungspartner -Netzer formulierte es so schön- “seine Hausaufgaben gemacht hat”. Das bedeutet, dass man den Sachverhalt mit der Familie bespricht und danach entscheidet, ob man verhandelt oder nicht.
Die Bild-Zeitung fing übrigens die Stimme von Sammers Frau ein, und berichtete so noch Freitag Mittag von der Unterstützung, die die Familie Sammer geben würde.

Doch dann folgte diese ominöse Präsidiumssitzung des DFB am Freitag. Sammer, nach mehreren Stunden Beratung, äußerte eine verbale und dennoch schallende Ohrfeige für den HSV:

Nach reiflicher Überlegung und vor dem Hintergrund, dass eine schnelle Stellungnahme gefordert war, bin ich zu dieser Entscheidung gekommen. Das Interesse des HSV ehrt mich sehr, aber es warten beim DFB noch viele Aufgaben, auf die ich mich freue.“

Rumms. All die investierte Zeit für die Katz`, das Interesse des HSV nur noch eine Ehre und der DFB ein vielfältiges Aufgabengebiet? Herr Sammer, hervorragender kann man seinen Ruf nicht zerstören.
Die schnelle Stellungnahme wurde von Seiten des erst spät über die Verhandlungen informierten DFB erwartet. Sammer hätte gerne noch das Wochenende gehabt, der DFB Gerüchten zufolge auf eine Entscheidung am Freitag gepocht haben. Wo soll hier der Druck vom HSV gekommen sein? Die Statements waren bereits am Dienstag abgegeben worden und angeblich auch mit Sammer abgesprochen worden. Die Äußerungen vom Dienstag sollen also so druckvoll gewesen sein, dass man am Freitag seinen Rücktritt von den Verhandlungen vollführt? Beim besten Willen, das ist unglaubwürdig. Wir werden die wahren Gründe wohl nie erfahren. Und so glücklich war Sammer mit seinem Posten beim DFB eigentlich auch nicht, siehe das Kompetenzgerangel mit Löw..

Wenn Zwei verhandeln, freut sich der Dritte. Das war schon bei der Causa Siegenthaler so. Schon damals hat der HSV seinen Anstand bewahrt und keine schmutzige Wäsche gewaschen. Jetzt ist es wieder der DFB, der letztendlich profitiert. Denn außer ihm gibt es nur Verlierer. Sammer steht als Wendehals da und unterstreicht dies mit seinen fadenscheinigen Äußerungen. Dem HSV wurden wiedermal öffentlich die Hosen ausgezogen, Sportchefpraktikant Reinhardt wiedermal enteiert und der Aufsichtsrat gerät wiedermal in Verruf.

Wahnsinn. Innerhalb kürzester Zeit geht auch der zehnte Sportchefkandidat flöten und unser öffentliches Image ist einfach nur noch im Keller. Fußball wurde übrigens auch noch gespielt. 1:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt, den ich leider nicht verfolgen konnte.
Wer sich von einer solchen “Lappalie” umstoßen lässt, ist nicht geeignet für einen derartigen Posten. Vielleicht hat Sammer das selbst erkannt.

Dieser Verein kommt einfach nicht zur Ruhe. Ob wir das internationale Geschäft packen, steht in den Sternen. Wenn nicht, wollen hier einige schneller die Lichter ausschlagen, als Sammer seine Meinung ändern konnte..

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§ Eine Antwort auf Die Posse um Sammer

  • jekylla sagt:

    Man könnte vielleicht aufgrund meiner Herzensbindung zum anderen Verein meinen, ich lachte jetzt über den HSV, der ja nun nicht gerade die sportlich relevantesten, aber auf jeden Fall die unterhaltsamen Nachrichten garantiert. Aber in der Sache Sammer würde ich dann doch eher Herrn Sammer die goldene Zitrone verleihen. Sehe kein Problem in vorheriger Verlautbarung seitens des HSV, die Gerüchteküche hätte es ohnehin früh genug nach außen getragen, insofern egal. Aber diese merkwürdigen Erklärungsversuche seitens Herrn Sammer wirken eher … unzureichend, um es vorsichtig auszudrücken.

    Das eigentlich Bittere sehe ich eher in der Person von Bastian Reinhardt. Kann mich gerade nicht entscheiden, ob er die von Kahn geforderten Eier hat, weil er bleibt oder ob er keine hat, weil er bleibt. Schön ist das nicht, das Gefühl, was man ihm sicher durch diese Personaldiskussion vermittelt. Ich hätte da keine Lust drauf.

    Aber richtig schlimm finde HSV-Lied, das kann man beim besten Willen nicht mal ansatzweise ertragen. Wer dafür verantwortlich ist, DEN sollte man ersetzen ;)

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