Erlaubt ist, was gefällt
Januar 19th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar
Und so liest man sich wieder. Viel Zeit ist vergangen, dass ich hier mal meine Meinung ausgebreitet habe. Ich hatte in gewisser Weise einfach die Schnauze voll. Voll von Oenning, von katastrophalen Auftritten in der Bundesliga, von dem Schlechtgerede, was ja in Hamburg Tradition zu sein scheint. Was wurde nicht gekrittelt und gerüttelt, auf den Frank Arnesen eingeschlagen und wie oft wurden wir als Chelsea II verunglimpft etc. ..
Mit all dem kann nun abgeschlossen werden, die Hinrunde haben wir hinter uns gebracht und, für mich der entscheidende Faktor, wir haben jetzt Frank Arnesen als Sportchef und Thomas Fink als Trainer endlich das oberklassige Niveau, von dem in Hamburg die letzten Jahre immer geträumt wurde.
Auch die Mitgliederversammlung ist abgehakt, die Ex-Vorstände Hoffmann und Kraus wurden entlastet und damit sollte man es zumindest als außenstehender Fan auch bewenden lassen. Was ich mir wünsche ist ein de facto schon begonnener Wachstumsprozess.
Wir haben lange davon geredet, Europa angreifen zu wollen, uns sowohl national als auch international zu positionieren und etablieren. Es ist Zeit dieses Vorhaben umzusetzen.
Der HSV hat jetzt die Chance eine Entwicklung einzuleiten, wie sie beim BVB bereits beeindruckend durchlaufen wurde. Der Erfolg wird nicht exakt zu kopieren sein, muss er aber auch nicht. Drei Grundsäulen sollten beibehalten werden:
Konstanz und Kompetenz bei Trainer und Sportchef.
Eine ‘hungrige’ Mannschaft aufstellen, die sich verbessern und in naher Zukunft in Richtung internationales Geschäft schielen kann.
Falsche Illusionen im Umfeld vermeiden.
Ebenjene Säulen sehe ich beim HSV mittlerweile als gegeben an und nun ist es an uns Fans, auch Punkt 3 zu Bestand zu verhelfen.
Die Serie von 9 Spielen ohne Niederlage ließ gleich wieder Träume von Europa aufkommen, die jedoch absolut keine Berechtigung haben. Auch wenn es scheinbar ‘nur’ ein paar Punkte Rückstand auf Platz 6 sind, in erster Linie nimmt der HSV Tabellenplatz 13 ein und hat gerade mal 3 Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Freunde, lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Die an Arroganz erinnernde ‘Der HSV kann gar nicht absteigen’-Haltung hat uns in der Hinrunde schon in die Tabellenregionen dirigiert, die wir glaubten nach dem Abgang Thomas Dolls so bald nicht wieder anzutreffen.
Gründe gibt es dafür genug.
Hinrundenwusel in Person, Gökhan Töre, ist bereits zu Beginn des Trainingslagers verletzt ausgeschieden und auch Petric sowie Ilicevic sind fraglich.
Eine große Hypothek, angesichts des hammerharten Auftaktprogramms mit Heimspielen gegen Dortmund, Bayern, Bremen und Stuttgart umso schwerwiegender.
Ich persönlich bin zwiegespalten, zum einen hat Fink den HSV wiederbelebt und die Serie ohne Niederlage dürfte einiges an Selbstvertrauen aufgebaut haben. Zum anderen treffen wir dort auf Gegner, die ich aufgrund der momentanen Situation fast durchgehend als Favoriten sehe, bei Bremen und Stuttgart aber auch nur, weil wir offensiv Personalprobleme haben.
Es dürfte interessant werden, wie sich dieser neugestaltete HSV präsentieren wird. Der Beginn der Hinrunde war schließlich ausreichend grauenvoll, es wird Zeit die Finksche Mentalität mehr und mehr aufzusaugen, ohne dass all das einem Luftballon gleichend bei der ersten Niederlage postwendend explodiert.
Die Bausteine für eine erfolgreiche Rückrunde sind insofern vorhanden, als dass sowohl von außen (Trainerteam) als auch von innen (Mannschaft) eine gewisse Bringschuld getilgt werden muss. Fink wird danach streben, eine Heimstärkenmentalität aufzubauen, während insbesondere Spieler wie Petric und Jansen sich anstrengen müssen.
Egal ob Petric in der nächsten Saison bei uns spielt oder nicht, in beiden Fällen kann eine gute Rückrunde für ihn nur hilfreich sein, währenddessen ein Marcell Jansen schon immer markante Interviews bot, aber auf dem Platz auch vieles vermissen ließ. Und die Konkurrenz ist mit Ilicevic und Töre künftig exzellent aufgestellt.
Jetzt gehen wir mit Mut, den unser Trainer vorlebt, an die Aufgabe Dortmund, nicht mit Durchhalteparolen. Marcell Jansen
Es würde dem Verein im Jahre seines 125-jährigen Jubiläums außerordentlich helfen, die Belastungen der letzten Jahre abzuschütteln, wenn das für die gesamte Rückrunde umgesetzt wird.